Beschreibung
Zwanghafte, dissoziale oder paranoide Persönlichkeit – das waren gängige Diagnosen in der Psychiatrie. Auch Narzissmus war eine wichtige Sache. War. Denn das neue weltweite Diagnosesystem der WHO, ICD 11, streicht alles das und Vieles mehr. Es ist seit 2022 in Kraft und muss bindend ab 2027 angewandt werden. Bis dahin müssen es alle Fachleute gut genug kennen. In der Medizin, in der Psychiatrie, wurde einfach viel in einem Krankheitsmodell mit Kategorien gedacht, das heißt ab hier ist krank, ab da ist gesund. Das ICD 11 löst viele dieser Abgrenzungen auf in Dimensionen von weniger oder mehr krank. Genau das geschieht mit der Persönlichkeitsstörung, die nur mehr eine einzige ist, aber leicht, mittelgradig oder schwer, je nach Hilfebedarf. Auch die Schizophrenie ist nur mehr eine einzige, der Unterschied zwischen paranoider, hebephrener, Schizophrenia simplex und Katatonie fällt. Katatonie wird sogar ein eigenes Krankheitsbild mit vielen verschiedenen Ursachen.
Das ICD 11 machte zum 1. Januar 2022 aus 10 psychiatrischen Krankheitsgruppen 21. Darunter neue wie die Hortungsstörung, die Kratzstörung oder die komplexe posttraumatische Belastungsstörung. Auch die Transsexualität ist eine Variante der sexuellen Ausrichtung, also keine Krankheit mehr. All das ist eine radikale Abkehr vom bisherigen Weg der Schulpsychiatrie und Schulpsychologie. In Buchform und bindend ins Deutsche übersetzt liegt ICD 11 noch nicht vor. Aber die Vorbereitung auf seine Anwendung ist wesentlich und erfolgt im Seminar.
Arbeitsmethoden
Vortrag, Diskussion
Zielgruppen
Psychologen, Mediziner, Soziosanitäre Berufsfiguren